Die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) ist mit der intravasalen Hämolyse (IVH) assoziiert. Bei einigen Patient:innen kann es allerdings unter der Therapie mit C5-Inhibitoren zu einer extravasalen Hämolyse (EVH) kommen. Dies ist mechanistisch bedingt.
Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick darüber, wie sich die IVH von der EVH abgrenzt.
| Merkmal |
Intravasale Hämolyse (IVH) lebensbedrohlich |
Extravasale Hämolyse (EVH) therapiebedingt, beeinträchtigt Lebensqualität |
| Ort der Hämolyseref_PNH-Leitlinie_2024ref_Baral_2022ref_Hillmen_2021 |
Intravasal: Direkte Erythrozytenzerstörung in den Gefäßen durch unkontrollierte Komplementaktivierung und MAK-Bildung |
Extravasal: Kann unter C5-Inhibitor-Therapie entstehen durch C3-Opsonierung mit verfrühtem Abbau der PNH-Erythrozyten in Milz und Leber |
| Pathomechanismusref_PNH-Leitlinie_2024ref_Baral_2022 |
Unregulierte Aktivierung der terminalen Komplementkaskade durch Fehlen von CD55 und CD59 (GPI-defiziente Erythrozyten); MAK-Bildung (C5b-9) |
C3-Fragment-Deposition (C3b, iC3b, C3dg) auf Erythrozyten-Oberfläche; Erkennung durch CR1-Rezeptoren auf Makrophagen |
| Klinische Präsentationref_PNH-Leitlinie_2024ref_Griffin_2016ref_Hillmen_2013ref_Meyers_2007ref_Parker_2005 |
Akutes Nierenversagen möglich |
Nur in wenigen Fällen klinisch relevantref_Shammo_2022 |
| Lebensgefahrref_PNH-Leitlinie_2024ref_Griffin_2016 |
Lebensbedrohlich; Hauptursache: Thromboembolie (führende Todesursache bei PNH; 5-10-fach erhöhtes Sterberisiko nach erstem Ereignis)ref_Malato_2012 |
Nicht lebensbedrohlich, aber: Anämie, Fatigue, Transfusionsbedarf möglichref_Shammo_2022 |
| Einfluss auf Lebenserwartungref_PNH-Leitlinie_2024 |
Unbehandelte Sterblichkeit: 20-35 innerhalb von 5-10 Jahrenref_Oliver_2023 |
Primär Einfluss auf Lebensqualität |
Wichtig: Aufgrund des hohen Mortalitätsrisikos muss die IVH behandelt werden. Im Gegensatz dazu ist bei der EVH ein gezieltes Management nur bei symptomatischen Patient:innen erforderlich.
In seltenen Fällen kann es unter einer Komplementinhibition zu einem Wiederaufkommen der IVH kommen, der sogenannten Durchbruchhämolyse (DBH).ref_Fattizzo_2025ref_Brodsky_2021 Die DBH entsteht durch zwei unterschiedliche Mechanismen: Sie kann pharmakokinetisch durch subtherapeutische Medikamentenspiegel ausgelöst werden oder häufiger pharmakodynamisch durch Komplement-amplifizierende Bedingungen, insbesondere Infektionen, Operationen und Schwangerschaft, die durch massive C3b-Akkumulation auf Erythrozyten die Kapazität der C5-Blockade lokal überfordern und damit eine neue MAK-Bildung ermöglichen.ref_Brodsky_2021 Klinisch manifestiert sich die DBH durch IVH-Symptome sowie einen akuten Anstieg der Hämolysemarker (insbesondere LDH).