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Diagnose der Hypophosphatasie

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Persistierend niedrige alkalische Phosphatase (AP) – Wann an
Hypophosphatasie (HPP) denken?

Hypophosphatasie (HPP) ist eine seltene, erbliche Systemerkrankung, die durch eine mangelnde Aktivität der gewebeunspezifischen alkalischen Phosphatase (TNSAP) gekennzeichnet ist. Sie kann durch pathogene Sequenzvarianten im ALPL-Gen, epigenetische Modifikationen oder weitere genetische bzw. nicht-genetische Einflussfaktoren (Confounder) bedingt sein. Ein anhaltend zu niedriger Serum-AP-Wert ist das biochemische Hauptmerkmal der HPPref_Seefried_2025. HPP wird häufig übersehen oder fehldiagnostiziert – insbesondere im Erwachsenenalter, mit oft variablen und unspezifischen Symptomen. Typische Fehldiagnosen sind Osteoporose oder rheumatologische Erkrankung. Dies ist problematisch, da die standardmäßige Osteoporose-Behandlung mit Bisphosphonaten bei HPP den Status der Knochenmineralisation verschlechtern kannref_Latheef_2023. Angesichts der verfügbaren Enzymersatztherapien ist eine frühe Diagnose entscheidend.

Warum PLP-Messung und ALPL-Genetik sinnvoll sind

Bei HPP reichern sich die natürlichen Substrate der TNSAP extrazellulär an z.B. Pyridoxal-5′-phosphat (PLP), die aktive Form von Vitamin B6.

  • PLP als Biomarker: Ein erhöhter zirkulierender PLP-Spiegel ist ein sensitiver und spezifischer biochemischer Marker für HPP. Dies macht die PLP-Messung zu einem wichtigen Instrument, um HPP von anderen Ursachen niedriger AP-Werte zu unterscheiden, auch wenn nicht bei allen erwachsenen Patient:innen erhöhte PLP-Werte vorliegen.ref_Kishmani_2017
  • Rolle der ALPL-Genetik: Die molekulargenetische Analyse des ALPL-Gens kann die Diagnose bestätigen und hilft das Vererbungsmuster zu verstehenref_Khan_2024. Bislang sind mehr als 500 verschiedene krankheitsassoziierte Sequenzvarianten bekannt. Je nach Sequenzvariante kann sich die Ausprägung der Erkrankung unterscheiden.  Die ALPL-Genvarianten-Datenbank (https://alplmutationdatabase.jku.at/) dient als offenes Archiv zur Interpretation der klinischen Signifikanz von im ALPL-Gen berichteten Varianten.ref_Farman_2025
Wichtige präanalytische Überlegungen zur PLP-Messung

Um die Aussagekraft der PLP-Messung zu gewährleisten, sind folgende Punkte zu beachten:

  • Nüchternheit: Die Blutprobe sollte idealerweise von einem nüchternen Patienten entnommen werden. 
  • Lichtempfindlichkeit: PLP ist lichtempfindlich. Serum- oder Plasmaproben sollten daher unter nicht-UV-Licht gehandhabt werden.
  • Probenverarbeitung: Nach der Blutentnahme sollte das Vollblut nach abgeschlossener Gerinnung innerhalb von 1 Stunde zentrifugiert und das Serum anschließend eingefroren werden, während EDTA-Proben gekühlt und lichtgeschützt aufzubewahren sind. Eine längere Lagerung bei Raumtemperatur kann die PLP- und PL-Werte erheblich beeinflussen.
  • Vitamin B6-Supplemente: Patienten sollten mindestens 2 Wochen vor der Probenentnahme auf Vitamin B6-Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin Säfte, Energy-Drinks etc.) verzichten. Eine zu hohe B6-Zufuhr kann zu falsch-positiv erhöhten PLP-Werten führen.
  • Andere Faktoren: Auch Alkohol, Albumin-Konzentration, Rauchen, Entzündungen, chronische Nierenerkrankungen und bestimmte Medikamente (z. B. Antiepileptika, NSAIDs) können PLP-Spiegel beeinflussen. Bei akuter Erkrankung oder Hypoalbuminämie kann PLP abfallen.ref_Schini_2020
Herausforderungen bei der Diagnosestellung
  • Manchmal normale PLP-Werte trotz HPP: Obwohl erhöhte PLP-Werte typisch sind, sind sie nicht immer vorhanden. Bei gleichzeitigem Vitamin B6-Mangel können HPP-Patienten normale oder sogar niedrige PLP-Werte aufweisen.ref_Whyte_2021
  • Die Interpretation der genetischen Analyse des ALPL-Gens ist nicht eindeutig: Die Korrelation zwischen Genotyp und Phänotyp ist bei HPP oft nicht streng (sogenannte variable Expressivität). Dies liegt an komplexen Mechanismen wie dominant-negativen Effekten, Haploinsuffizienz oder der Beeinflussung durch andere genetische, epigenetische oder Umweltfaktoren.ref_Rush_2025  In einigen Fällen, obwohl klinische Symptome und niedrige AP-Werte auf HPP hindeuten, kann die Standard-Gensequenzierung keine bekannte pathogene ALPL-Variante identifizieren. Dies kann an Varianten in tiefen Introns, regulatorischen Sequenzen, großen Deletionen/Duplikationen oder Mutationen in anderen Genen liegen.ref_Seefried_2024  Auch „Varianten unklarer Signifikanz“ (VUS) stellen eine besondere diagnostische Herausforderung dar.ref_Farman_2025 Asymptomatische Träger von ALPL-Mutationen können ebenfalls biochemische Auffälligkeiten zeigen.ref_Seefried_2025 Gemäß den von einer internationalen Expertengruppe definierten Diagnosekriterien ist das Vorliegen einer pathogenen Variante kein zwingendes Erfordernis für die Diagnosestellung der Hypophosphatasie.ref_Khan_2024 
Fazit und Empfehlungen für die klinische Praxis

Die Hypophosphatasie erfordert eine hohe klinische Aufmerksamkeit.

  • Bei anhaltend niedriger AP sollten Sie immer an HPP denken. Berücksichtigen Sie dabei immer alters- und geschlechtsspezifische AP-Referenzbereiche, da diese sich im Laufe des Wachstums und der Pubertät erheblich ändern.ref_Strauch_2023  Laboratorien kennzeichnen erniedrigte AP-Werte oft nicht!ref_Deeb_2017
  • Die Kombination aus niedriger AP und erhöhter PLP ist die biochemische Signatur der HPP. Einige Experten empfehlen, bei niedriger AP-Aktivität automatisch eine PLP-Messung durchzuführen.ref_Hofmann_2021
  • Das klinische Bild ist entscheidend für die Interpretation biochemischer und genetischer Befunde. Achten Sie auf muskuloskelettale Schmerzen, rezidivierende Frakturen (Mittelfuß, Femur), frühzeitigen Zahnverlust oder Chondrokalzinose bei Erwachsenen. Bei Kindern können Krampfanfälle, Atemprobleme und Skelettdeformitäten Hinweise geben.ref_Khan_2024
  • Vermeiden Sie Bisphosphonate bei Verdacht auf HPP.ref_Latheef_2023
  • Ein regelmäßiges Follow-up von Personen mit niedriger AP, auch wenn sie asymptomatisch sind, ist ratsam, da die Erkrankung im Laufe des Lebens fortschreiten kann.ref_Reis_2023

Haben Sie noch Fragen zur Durchführung der Labordiagnostik im Rahmen der Differentialdiagnose der Hypophosphatasie? Wollen Sie mit Ihrem Labor auch hier geführt werden? Dazu kontaktieren Sie bitte unseren Ansprechpartner für Labordiagnostik Dr. D. Dedes unter dimitrios.dedes@alexion.com.

 

Laboradressen für die PLP-Messung

PLP Labore Bearbeitungszeit 
(Tage)
Verfahren und Referenzbereich

Labor Dr. Heidrich & Kollegen MVZ GmbH
22081 Hamburg

Mehr Infos

Bearbeitungszeit 
(Tage)
5-7
Verfahren und Referenzbereich
HPLC,   3.6 - 18.0 µg/L

LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen
21502 Geestnacht

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Bearbeitungszeit 
(Tage)
1
Verfahren und Referenzbereich
HPLC: 12.6-45.2 µg/L

MVZ Dr. Stein + Kollegen SE & Co. eGbR
41169 Mönchengladbach

Mehr Infos

Bearbeitungszeit 
(Tage)
2
Verfahren und Referenzbereich
HPLC, Referenzbereich: 12,6 - 45,2 μg/l (Quelle: G. STEEN, L.Th. VLASVELD, C.C. POOT, A.J. van der SLOT-VERHOEVEN en A. CASTE

MVZ Dr. Eberhard & Partner GbR (ÜBAG)
44137 Dortmund

Mehr Infos

Bearbeitungszeit 
(Tage)
4
Verfahren und Referenzbereich
PLP: HPLC (12,5-138 nmol/l), AP: Enzymatischer Farbtest (Cobas), AP-Isoenzyme: Elekrophorese, PEA: LC-MS/MS

MVZ Labor Dr. Limbach Heidelberg
69126 Heidelberg

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Bearbeitungszeit 
(Tage)
5
Verfahren und Referenzbereich
HPLC: Messung  5 - 30 µg/l

MVZ Labor Krone GmbH, Abteilung Toxikologie
32105 Bad Salzuflen

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Bearbeitungszeit 
(Tage)
3
Verfahren und Referenzbereich
Vitamin B6 im EDTA Plasma und Serum mittels HPLC (Ref. Bereich: 5 -50 µg/L)

MVZ Labor PD Dr. Volkmann und Kollegen SE & Co. eGbR
76131 Kalrsruhe

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Bearbeitungszeit 
(Tage)
2
Verfahren und Referenzbereich
HPLC: 4,4 – 40,0 ng/mL (PLP + PL)

Labore für die genetische Analyse des ALPL-Gens

Hier finden Sie verschiedene Laboradressen, die die genetische Analyse des ALPL-Gens durchführen können.
Labor Ansprechpartner Adresse Kontakt
Bioscientia
MVZ Labor Karlsruhe GmbH
Ansprechpartner
Dr. rer. nat. Thomas Stauch
Tel.: +49 721 85000-165
Adresse
Am Rüppurrer Schloß 1
76199 Karlsruhe

Tel.: +49 721 6277-500
Kontakt
t.stauch@laborvolkmann.de
Eurofins Humangenetik und Pränatal-Medizin MVZ GmbH  
Ansprechpartner
PD Dr. Moneef Shoukier
Adresse
Friedenheimer Brücke 19
80639 München
Kontakt
https://eurofins-clinical.de/leistungsverzeichnis-humangenetik/exome/4012-alpl 
info@praenatal-medizin.de
Institut für Humangenetik,
Universitätsmedizin Göttingen
Ansprechpartner

Prof. Dr. rer. nat. Uwe Kornak

Adresse
Heinrich-Düker-Weg 12
37073 Göttingen

Tel.: (0551) 39-69019
Kontakt
uwe.kornak@med.uni-goettingen.de
silke.kaulfuss@med.uni-goettingen.de
https://www.humangenetik-umg.de/
LADR Laborzentrum Recklinghausen
Ansprechpartner
Priv.-Doz. Dr. med. Bianca Miterski
Adresse
Berghäuser Str. 295 
45657 Recklinghausen
Tel.: (02361) 3000-201 
Fax: (02361) 3000-211
Kontakt
humangenetik@ladr.de
Laboratoriumsmedizin
Eberhard und Partner
Ansprechpartner
Herr Markus Mallek
Tel.: (0231) 9572-1253
Adresse
Brauhausstraße 4
44137 Dortmund

Tel.: 0231 9572-0
Kontakt
mallek@labmed.de
Labor Berlin –
Charité Vivantes GmbH
Ansprechpartner
Dr. rer. medic. Johannes Grünhagen
Dr. rer. nat. Laura Hildebrand
Adresse
Fachbereich Humangenetik
Sylter Straße 2
13353 Berlin

Tel.: (030) 405 026 432
Kontakt
info-humangenetik@laborberlin.com
Johannes.Gruenhagen@laborberlin.com
Laura.Hildebrand@laborberlin.com
Labor Dr. Heidrich & Kollegen MVZ GmbH
Ansprechpartner
Dr. med Jens Heidrich, ärztlicher Leiter
Dr. rer. nat. Niels Storm, Laborleiter Molekulargenetik
Adresse

Klinikweg 23
22529 Hamburg

Tel.: (040) 429 346-0
Fax: (040) 429 346-10

Kontakt
https://www.labor-heidrich.de/
Medizinische Genetik Mainz
Ansprechpartner
Prof. Dr. med. Carsten Bergmann
Adresse
Haifa-Allee 38 
55128 Mainz
Tel.: (06131) 27661-13 oder -0
Fax: (06131) 27661-11
Kontakt
www.medgen-mainz.de/
Carsten.Bergmann@medgen-mainz.de
Medizinisches Versorgungszentrum
für Humangenetik und
Molekularpathologie GmbH
Ansprechpartner
 Fr. Dr. med. Hüning
Adresse
Robert-Koch-Straße 10
18059 Rostock

Tel.: (0381) 440 22 440
Fax: (0381) 440 22 449
Kontakt
mail@humangenetik-rostock.de
Moldiag,
Zentrum für Nephrologie und
Stoffwechsel
Ansprechpartner
Dr. Mato Nagel
Adresse
Albert-Schweitzer-Ring 32
02943 Weißwasser

Tel.: (03576) 287922
Fax: (03576) 287944
Kontakt
nagel@moldiag.de
https://www.moldiag.com/de
Universitätsklinikum Freiburg:
ZKJ - Pädiatrische Genetik
Ansprechpartner
Sektionsleiter PD Dr. med. Lausch
Sekretariat: Violetta Volz
Adresse
Mathildenstr. 1
79106 Freiburg

Tel.: (0761) 27043630
Fax: (0761) 2709644710
Kontakt
paedgen@uniklinik-freiburg.de

Zentrum Medizinische Genetik

Ansprechpartner
Frau Dr. med. Yvonne Jelting
Adresse
Am Hubland
97074 Würzburg

Tel.: 0931-31 84064
Fax: 0931-31 84069
Kontakt
huge-dgl@uni-wuerzburg.de
Zentrum für Humangenetik Tübingen
Ansprechpartner
Prof. Dr. med. Peter Freisinger
Adresse
Paul-Ehrlich-Str. 23
72076 Tübingen
Kontakt
info@humangenetik-tuebingen.de

Falls Sie ebenfalls gerne hier gelistet oder gerne von der Liste gestrichen werden wollen, kontaktieren Sie bitte unseren Ansprechpartner für Labordiagnostik Dr. D. Dedes unter dimitrios.dedes@alexion.com.

Referenzen

  1. Seefried, L., Genest, F., Hofmann, C., Brandi, M. & Rush, E. Diagnosis and Treatment of Hypophosphatasia. Calcif. Tissue Int. 116, 46 (2025).
  1. Latheef, A. & Moss, K. P06 Think of hypophosphatasia if atypical fracture with persistent low ALP levels. Rheumatol. Adv. Pr. 7, rkad070.027 (2023).
  1. Kishnani, P. S. et al. Monitoring guidance for patients with hypophosphatasia treated with asfotase alfa. Mol. Genet. Metab. 122, 4–17 (2017).
  1. Khan, A. A. et al. Hypophosphatasia diagnosis: current state of the art and proposed diagnostic criteria for children and adults. Osteoporos. Int. 35, 431–438 (2024).
  1. Farman, M. R. et al. The ALPL gene variant project: results of the first 100 reclassified variants. JBMR Plus 9, ziaf044 (2025).
  1. Schini, M., Nicklin, P. & Eastell, R. Establishing race-, gender- and age-specific reference intervals for pyridoxal 5’-phosphate in the NHANES population to better identify adult hypophosphatasia. Bone 141, 115577 (2020).
  1. Whyte, M. et al. Vitamin B6 deficiency with normal plasma levels of pyridoxal 5’-phosphate in perinatal hypophosphatasia. Bone 150, 116007 (2021).
  1. Rush, E. T. et al. Genetic characterization of a large cohort of individuals with a clinical suspicion of hypophosphatasia in the United States. Mol. Genet. Metab. 144, 109046 (2025).
  1. Seefried, L., Petryk, A., Angel, G. del, Reder, F. & Bauer, P. Whole genome sequencing in adults with clinical hallmarks of hypophosphatasia negative for ALPL variants. Mol. Biol. Rep. 51, 984 (2024).
  1. Strauch, J.-M. et al. Pediatric reference values of alkaline phosphatase: Analysis from a German population-based cohort and influence of anthropometric and blood parameters. Bone 174, 116809 (2023).
  1. Deeb, A. & Abubaker, E. Could biochemistry lab alert for low alkaline phosphatase prompt diagnosis of hypophosphatasia? J. Clin. Res. Pediatr. Endocrinol. 10, 19–24 (2017).
  1. Hofmann, Priv.-Doz. Dr. C., Girschick, Prof. Dr. H. & (Hrsg.), Dr. L. S. Diagnostik Und Management Der Hypophosphatasie 2.Aufl 2021. (UNI-MED Science).
  1. Reis, F. S. & Lazaretti-Castro, M. Hypophosphatasia: from birth to adulthood. Arch. Endocrinol. Metab. 67, e000626 (2023).